ZDB-Vizepräsident Rüdiger Otto übergibt Wohnungsbau-Studie 2015 an Bundesbauministerin Barbara Hendricks

Statement des ZDB-Vizepräsidenten Rüdiger Otto zur Pressekonferenz des 7. Deutschen Wohnungsbautages 2015: „Um mit der Tür ins Haus zu fallen und es kurz und knapp zu sagen: Es werden weiterhin zu wenige Wohnungen neu gebaut. Und: Die Nachfrage steigt schneller als wir derzeit bauen.

In 2014 rechnen wir mit 210.000 neu fertig gestellten Wohnungen. Diese Zahl liegt, selbst wenn man die Umbauten mit 25.000 Wohnungen dazu rechnet, weiter erkennbar unterhalb der notwendigen Marke von 250.000 Wohneinheiten, die jährlich gebraucht werden, um die Nachfrage zu befriedigen. Manche Experten sprechen aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingen bereits von 300.000 Wohnungen jährlich, die gebaut werden müssen. Gegenüber dem Tiefstand von 2009 mit knapp 140.000 neuen Wohnungen bedeuten die aktuellen Zahlen zwar eine Steigerung um 50 Prozent - aber es sind eben immer noch zu wenige. Nach fast zehn Jahren wurden 2014 wieder mehr Wohnungen in Mehrfamilien- als in Ein- und Zweifamilienhäusern errichtet: nämlich 110.000 in Mehrfamilienhäusern gegenüber 100.000 Wohnungen im Bereich Ein- und Zweifamilienhäuser.

Wir alle wissen, dass die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht überraschend gekommen ist. Denn dass die Bevölkerung in Deutschland zwar langfristig abnehmen, die Zahl der Haushalte aber dennoch zunehmen würde und dies mindestens bis 2030, war lange bekannt. Nur wurde es bislang nicht zur Kenntnis genommen. Heute kommt eine steigende Nachfrage nach Wohnungen aufgrund des enorm gestiegenen und wohl weiter anhaltenden Zuzugs von Flüchtlingen nach Deutschland hinzu. Allein in der letzten Legislaturperiode wurden rund 300.000 Wohnungen zu wenig gebaut. Diese Wohnungen fehlen noch immer. Jedes Jahr steigt diese Zahl an. Mittlerweile dürften wir bei knapp unter 400.000 fehlenden Wohnungen liegen.

Die vielzitierte Wohnungsnot ist hausgemacht und von der Politik mitverantwortet. Die Rahmenbedingungen sind immer unattraktiver geworden. Dass heute wieder vergleichsweise mehr Wohnungen gebaut werden, haben wir vor allem den Begleitumständen der Finanzmarkt- und Währungskrise zu ,verdankenʽ. Stichwort: Betongold.

Dennoch fehlen Wohnungen für Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen, für Facharbeiter, Verkäuferinnen, Krankenschwestern etc., also für all diejenigen, die sich Mietwohnungen, die zehn Euro und mehr pro Quadratmeter kosten, schlichtweg nicht leisten können.

Aber Besserung ist nicht in Sicht: Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr 220.000 Wohnungen neu auf den Markt kommen, das sind nur 10.000 mehr als im letzten Jahr; damit bleiben wir weiterhin unter der notwendigen Anzahl von 250.000. Die Nachfrage im gehobenen Preissegment scheint an ihre Sättigungsgrenze zu kommen. Ein natürlicher Mietpreisdeckel scheint in den Ballungsgebieten erreicht, noch viel höhere Mieten sind auf den allermeisten Märkten nicht durchsetzbar. Darüber hinaus ist der soziale Wohnungsbau seit er in der Verantwortung der Länder liegt viel zu wenig gefördertworden. Auch wenn es hier positive Ausnahmen gibt."