Baukonjunktur Juni 2015: Umsatzentwicklung zeigt im Juni erwartete Aufhellung; Halbjahresbilanz bleibt noch verhalten

Wie erwartet hat es im Juni eine Korrekturbewegung zum Umsatzrückgang im Mai gegeben. Der Mai hatte zwei Arbeitstage weniger als der Vorjahresvergleichsmonat. Dieser Nachteil wurde nun im Juni wettgemacht. Mit fast 9 Mrd. Euro wurden im Juni ca. 500 Mio. Euro mehr umgesetzt als im Juni 2014. Diese Steigerung um ca. 5 % verringert den Umsatzrückstand im ersten Halbjahr insgesamt auf unter 3 %. Per Mai betrug der Rückstand noch fast 5 %. Betrachtet man ausschließlich die Umsatzentwicklung bei den monatlich meldenden Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten, wird das Vorjahresergebnis zum Halbjahr sogar nahezu erreicht.

In den einzelnen Sparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab:

Die respektable Lage der Bauwirtschaft stützt sich nach wie vor auf den Wohnungsbau. Per Juni wird hier das Vorjahresergebnis mit 15,7 Mrd. Euro exakt erreicht. Dieser für alle Betriebe aufgeschätzte Wert dürfte etwas unterzeichnet sein. Jedenfalls erreichen die monatlich meldenden Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten zur Jahresmitte ein Umsatzplus von 5%. Auch wenn diese Unternehmen vorrangig im prosperierenden Mehrfamilienhausbau ihr Geschäftsfeld haben, sollten auch im Einfamilienhausbau nur geringe Rückstände bestehen.

Für die kommenden Monate zeichnen die Frühindikatoren weiter eine positive Entwicklung. Es wurden per Juni ca. 4 % mehr Genehmigungen beantragt (bemessen nach veranschlagten Baukosten) und es wurden 7 % mehr Aufträge erteilt. Die Dynamik kommt weiter aus dem Mehrfamilienhausbau. Bis Juni wurden hier 2.640 WE im Neubau mehr genehmigt als im ersten Halbjahr 2014. Insgesamt wurden hier für fast 62.000 WE Genehmigungen erteilt; deutlich mehr als im Einfamilien- und Zweifamilienhausbereich mit gut 54.000 WE.

Das prognostizierte Umsatzziel von +3 % im Wohnungsbau im Jahr 2015 wird erreicht werden.

Der Wirtschaftsbau war in der ersten Jahreshälfte von sehr verhaltener Entwicklung geprägt. Die Investitionsneigung fiel niedriger als erwartet aus. Der Umsatz verfehlt mit 14.8 Mrd. Euro das Vorjahresvergleichsergebnis um ca. 600 Mio. Euro (-4 %). Nun zeichnen sich aber Aufhellungen ab: Im Juni selbst wurde ein höherer Umsatz realisiert als im Vorjahr (+3 %). Seit zwei Monaten gehen mehr Aufträge ein als im Vorjahr, sodass kumulativ ein Orderniveau wie im Vorjahr erreicht ist. Dabei haben Investitionen im Tiefbau im Jahresverlauf eine stabil positive Performance (+2,5 %). Hier könnten die Investitionsausweitungen bei der Bahn durchschlagen. Die Order im Hochbau weisen einen Aufwärtstrend aus, haben aber aus dem ersten Quartal noch deutliche Rückstände aufzuholen (kumulativ bei -3 %). Ein Blick auf die Baugenehmigungen zeigt, dass insbesondere die Investitionsabsichten in Fabrikgebäude noch nicht Fahrt aufgenommen haben (kumulativ -38 %). Während die Ausweitung von Lagerkapazitäten auch noch verhalten läuft (-7 %) ist bei den Bürogebäuden ein positiver Trend sichtbar, der sich mittlerweile auch in einem leichten Genehmigungsplus niederschlägt.

Das zum Jahresende erwartete Umsatzergebnis von +1,5 % im Wirtschaftsbau erscheint weiter realistisch. Hierfür braucht es im zweiten Halbjahr aber noch Konjunkturimpulse, für die es Anzeichen gibt.

Die Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau verblieb in den Monaten Januar bis Mai jeweils unterhalb des Vorjahresniveaus. Dabei ergab sich kumulativ ein Rückstand von 7 %. Im Juni wurde das Vorjahresergebnis um 2 % übertroffen, sodass nunmehr noch ein Rückstand von 5 % zu verbuchen ist. Der Umsatz liegt bei 10,7 Mrd. Euro und damit noch um ca. 500 Mio. Euro hinter dem Vorjahresvergleichsergebnis.

In den kommenden Monaten könnte die Trendverbesserung anhalten. Während im öffentlichen Hochbau schon in den letzten Monaten die Baugenehmigungen und Auftragseingänge eine höhere Nachfrage signalisieren, kommen nun auch aus dem schwergewichtigen Tiefbau deutlichere Investitionssignale. Während der Bundeshaushalt für 2015 keine Steigerungen bei der Finanzierung von Straße und Wasserstraße vorsieht, könnten die höher als erwartet ausgefallenen Überschüsse bei Ländern und Kommunen die Investitionsbereitschaft anheben. So ergab die Steuerschätzung vom Mai, dass Länder für 2015 mit Mehreinnahmen von 2,9 Mrd. Euro gegenüber der Steuerschätzung vom November 2014 und Gemeinden mit Mehreinnahmen von 1,1 Mrd. Euro rechnen können. Allerdings bleibt abzuwarten, ob angesichts der aktuellen Herausforderungen, z.B. bei der Bereitstellung von Flüchtlingsunterkünften, Investitionen tatsächlich vermehrt in den Infrastrukturbereich fließen. Obwohl der Bund mit Sonderbudgets die Unterbringung von Flüchtlingen stützt, reichen diese Mittel nicht aus.

Für den öffentlichen Bau sind wir in der Prognose für das Jahr 2015 von nur schwachem Wachstum (+1 %) ausgegangen. Angesichts des bereits aufgelaufenen Rückstandes erscheint die Prognose ambitioniert. Die Aufhellungen bei den Frühindikatoren lassen sie indes nicht aussichtslos erscheinen.

Die Zahl der gewerblich Beschäftigten erreicht seit Jahresbeginn nicht mehr das Vorjahresniveau. Schon im letzten Jahr war erstmalig seit 2009 eine Stagnation der Zahl der Beschäftigungsverhältnisse zu beobachten. Zwei Gründe sind für die nachlassende Dynamik anzuführen. Zum einen wird es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung für die Bauwirtschaft immer schwieriger, im Wettbewerb um die Fachkräfte mit den anderen Branchen zu obsiegen. Zum anderen sind die mittelfristigen Produktionsziele wohl mit dem erreichten Beschäftigtenniveau bei einer weiteren Steigerung der Produktivität zu erreichen. So rechnet die Branche auch 2015 nicht mit einer deutlichen Aufstockung des Personals.