Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2015 insgesamt 247.724 Wohneinheiten (WE) errichtet.

Hierbei sind alle Baumaßnahmen im Neubau und Bestand im Wohn- und Nichtwohnungsbau berücksichtigt. Dies entspricht einem Zuwachs um 2.400 WE (+1 %) gegenüber 2014. Der Anstieg fiel damit deutlich niedriger aus, als von den Bauverbänden erwartet (+6 %; auf 260.000 WE) und auch deutlich niedriger als im Vorjahr (+14 %). Schon die relativ schwache reale Umsatzsteigerung im Wohnungsbau in 2015 von ca. 1 % ließ erwarten, dass die Baufertigstellungen nicht das prognostizierte Volumen erreichen würden.

Die Bundesregierung war von noch höheren Werten als die Verbände ausgegangen. Bundesministerin Hendricks sprach in ihrem Statement zum Wohnungsbautag der Kampagne für den Wohnungsbau Anfang Juni noch von 270.000 fertig gestellten WE, die sie für 2015 erwarte.

Im Jahr 2009 wurde mit 158.987 Wohneinheiten das niedrigste Fertigstellungsniveau seit der Wiedervereinigung markiert. Nimmt man das Jahr 2010 zur Basis, sind die Wohnungsfertigstellungen innerhalb von fünf Jahren um 55 % gestiegen. Die Fertigstellungen lagen damit aber weiter deutlich unter dem benötigten Gesamtsoll, das von Politik und Verbänden bei 350.000 WE bis 400.000 WE angesetzt wird.

Wie bereits in den Vorjahren zeigt sich in 2015 ein deutliches Delta zwischen den erteilten Baugenehmigungen und Baufertigstellungen (ca. 61.000 WE). Die Gültigkeitsdauer von Baugenehmigungen ist länderspezifisch geregelt, liegt in der Regel aber bei drei Jahren. Im Zeitraum 2013 bis 2015 ist ein „Überschuss“ an Genehmigungen von etwa 160.000 WE aufgelaufen (der tatsächliche „Bauüberhang“ wird vom Statistischen Bundesamt noch ermittelt).

Die Bauverbände hatten für 2015 angesichts der Entwicklung bei den Baugenehmigungen in den Vorjahren mit ca. 225.000 bis 230.000 Wohneinheiten in neuen Wohngebäuden und 260.000 WE insgesamt gerechnet. Tatsächlich sind in 2015 knapp 217.000 WE in neuen Wohngebäuden errichtet geworden. Das waren nur 600 WE mehr als in 2014. Dabei wurden im Mehrfamilienhausbau ca. 4.100 WE mehr errichtet (+4 %), aber auch 4.100 WE weniger in Ein- und Zweifamilienhäusern (-3,9 %). Der Saldo von +600 WE resultiert aus dem Zuwachs bei Wohnungen in Wohnheimen (+9 %).

Die schwache Steigerung bei den Baufertigstellungen ist in den alten Ländern zu verorten. Im Ein- und Zweifamilienhausbau wurden in den alten Ländern weniger Wohnungen errichtet als im Vorjahr (-4,3 %). Im Mehrfamilienhausbau fiel die Steigerung mit +2 % eher marginal aus. Dies obwohl der Großteil der Städte (Ballungsräume), die von Binnen- und Außenwanderung besonders betroffen sind, in den alten Ländern liegt. Einige dieser Städte konnten das Wachstum im Bereich Mehrfamilienhausbau aus den Vorjahren nicht aufrecht erhalten, wie Düsseldorf (- 63,%), Köln (-13,%) und München (-7,%). Von den "Top 6" in den alten Ländern konnten Hamburg (+25,%), Stuttgart (+14,%) und Frankfurt/Main (+23,%) zulegen. Per Saldo sind in den TOP 6 nur ca. 200 WE in Mehrfamilienhäusern mehr errichtet worden als in 2014. Auch einige Universitätsstädte in den alten Ländern konnten im Mehrfamilienhausbau das im Vorjahr erreichte hohe Niveau nicht halten, wie Darmstadt (-32 %), Gießen (-51 %), Bielefeld (-56 %), Heidelberg (-28 %), Freiburg (-28 %) und Regensburg (-17 %).

Offensichtlich ist in den alten Ländern ein Gutteil der Baugenehmigungen aus 2015 nicht mehr an den Markt gekommen. Ohnehin war das Genehmigungsplus erst im zweiten Halbjahr aufgelaufen. Hier hatten sich Investoren offensichtlich auf Vorrat noch Genehmigungen auf Basis der alten EnEV sichern wollen.

Im Gegensatz zu den alten Ländern gab es in den neuen Ländern im Wohnungsneubau eine Steigerung um 8 %. Auch hier wurden weniger Wohneinheiten im Ein- und Zweifamilienhausbau errichtet (-2 %). Dafür wurden im Bereich Mehrfamilienhäuser ca. 2.600 WE (+20 %) mehr errichtet als im Vorjahr. Dazu trägt allein schon Berlin mit ca. +1.800 WE (+22 %) bei. Aber auch in Dresden (+35 %) und Leipzig (+25 %) wurden mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern errichtet.

Für 2016 haben ZDB und HDB in ihrer gemeinsamen Prognose ca. 245.000 WE bis 250.000 in neuen Wohngebäuden und 285.000 bis 290.000 WE insgesamt veranschlagt. Angesichts der niedrigeren Ausgangsbasis in 2015 erscheint die Prognose sehr ambitioniert. Ein Plus von 30.000 WE wird sich im Neubau nur halten lassen, wenn die steuerliche Förderung im Mietwohnungsbau umgesetzt wird. Das starke Plus bei den Baugenehmigungen im ersten Quartal 2016 deutet auf ein Abzielen der Investoren auf dieser Basis hin. Ein Anstieg der Gesamtfertigstellungszahlen in 2016 auf knapp 300.000 WE (+50.000 WE) ist ohne diese Basis kaum haltbar.