Baukonjunktur April 2015: Die Ende des ersten Quartals wahrnehmbare Belebungstendenz der Bautätigkeit setzt sich zu Beginn des zweiten Quartals zunächst nicht fort

Die Ordersituation zum Ende des ersten Quartals ließ auf eine nachhaltige Belebung der Umsatzentwicklung im zweiten Quartal hoffen (siehe Monatsbericht zum März).

Diese Hoffnung hat sich zunächst nicht bestätigt. Das Arbeitsvolumen – die geleisteten Stunden – erreichten im April (wie bereits im Januar und Februar) nicht das Vorjahresniveau. Dazu mögen die niederschlagsbedingten Behinderungen zum Monatsende im Süden und Südwesten beigetragen haben. Allerdings bestätigen die Aprilwerte weder bei den Baugenehmigungen (-3 %) noch bei den Auftragseingängen (-5,3 %) den für die kommenden Monate erwarteten Aufholprozess. Die Umsatzentwicklung verlor im Vergleich zum Vorjahr erst einmal wieder an Tempo; (kumulativ -3,9 % per April; nach -3,7 % per März).
In den einzelnen Sparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab:

Der Wohnungsbau setzt insgesamt seine Aufwärtsentwicklung fort, wenn auch – wie prognostiziert – bei niedrigerem Tempo als in den Vorjahren. Bis April sind mit insgesamt 89.134 Wohneinheiten ca. 1.500 WE mehr genehmigt worden als vor Jahresfrist (+1,7 %). Dabei kommen die Impulse jetzt weniger aus dem Neubau von Wohngebäuden als vielmehr den genehmigungspflichtigen Umbauten. Insbesondere in den alten Ländern stagnieren die Genehmigungen im Neubau von Wohngebäuden – aber immer noch auf hohem Niveau. Neben diesem erreichten hohen Niveau könnten die leicht ansteigenden Zinsen für Wohnungsbaukredite den Aufwärtstrend abgeschwächt haben. Ein Genehmigungsplus kommt ausschließlich aus dem Mehrfamilienhausbau. Dazu tragen die neuen Bundesländer – und hier insbesondere der Ballungsraum Berlin – überdurchschnittlich bei.

Der monatliche Eingang bei den Bestellungen hält gegenüber dem Vorjahr weiter einen Vorsprung um +7 %. Der Genehmigungsüberhang aus den letzten Jahren sowie der hohe Auftragsbestand lassen weiter das prognostizierte Umsatzziel von +3 % im Jahr 2015 als wahrscheinlich erscheinen, auch wenn der Umsatz per April noch etwas unter dem Vorjahresniveau liegt (-1,2 %). Hier kann die Untererfassung bei den kleineren Unternehmen zudem eine Rolle spielen. Die im Mehrfamilienhausbau stärker engagierten größeren Unternehmen weisen im Wohnungsbau per April ein Umsatzplus von 3 % aus.

Die für den Wohnungsbau richtungsweisenden Basisindikatoren wie der Zuzug, die Binnenwanderung und steigende Einkommen bei nach wie vor niedrigem Zinsniveau lassen kein Abbrechen der Aufwärtsentwicklung erwarten.

Deutlich eingetrübter zeigt sich hingegen die Entwicklung im Wirtschaftsbau. Mit knapp 9 Mrd. Euro wird das Vorjahresergebnis hier kumulativ um ca. 0,5 Mrd. Euro verfehlt (-5 %). Bisher wurden in keinem Monat des Jahres 2015 die Ergebnisse aus dem Vorjahr erreicht. Besserung scheint für die nächsten Monate hier nicht in Sicht. Die Order zeigen im April mit -6 % anhaltend wenig Investitionslaune aus der Wirtschaft an. Die Baugenehmigungen (-9 %) lassen zudem mittelfristig wenig Impulse erwarten. Hier schwächeln alle relevanten Gebäudetypen. Bemessen nach Baukosten liegen Fabrikgebäude kumulativ um 22 %, Lager- und Handelsgebäude um 13 %; aber auch die dienstleistungsnahen Bürogebäude um 7 % zurück.

Das zum Jahresende erwartete Umsatzergebnis von +1,5 % im Wirtschaftsbau erscheint daher recht optimistisch. Hierfür bräuchte es im zweiten Halbjahr deutliche Konjunkturimpulse, die derzeit, in schwierigem außenwirtschaftlichem Umfeld (Auswirkungen Krise Griechenland), schwer zu greifen sind.

Die Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau konnte, anders als erwartet, nicht an Tempo aufholen. Mit 6,1 Mrd. € bleibt zum Vorjahr ein Rückstand von ca. 6 % bestehen. Wegen der hohen Auftragsbestände zum Ende des ersten Quartals durfte hier mit mehr Schub gerechnet werden. Hinzu kommt, dass die Auftragseingänge im April nun noch einen Rücksetzer erfahren haben. Kumulativ liegt der Orderzugang im schwergewichtigen Tiefbau nun etwa noch auf Vorjahresniveau. Einzig im Hochbau verbessert sich die Geschäftslage stetig. Allerdings beträgt das Auftragsplus per April nur 0,15 Mrd. €, was bereits eine Steigerung um 11 % entspricht.

Eine Verbesserung im Tiefbau war allerdings auch nicht zu erwarten. Schließlich sieht der Bundeshaushalt für 2015 keine Steigerungen bei der Infrastrukturfinanzierung gegenüber dem Vorjahr vor. Die von den kommunalen Spitzenverbänden für 2015 in Aussicht gestellte geringfügige Investitionsausweitung dürfte sich bei der positiven Entwicklung des Hochbaus niederschlagen. Die Handlungsspielräume der Kommunen haben sich aber nicht durchgreifend verbessert. Auch wenn die Kommunen nach der aktuellen Steuerschätzung in 2015 mit ca. 4 Mrd. € höheren Steuereinnahmen als in 2014 rechnen dürfen, bleibt die Haushaltslage vielerorts angespannt. So weisen die Kommunen im ersten Quartal eine um 4,8 % höhere Verschuldung als zum Vorjahreszeitpunkt auf.

Die Umsatzprognose sieht im öffentlichen Bau für 2015 eine Steigerung um ca. 1 % vor. Dabei gehen wir weiter von einer Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr aus.

Die Zahl der gewerblich Beschäftigten erreicht seit Jahresbeginn nicht mehr das Vorjahrsniveau. Schon im letzten Jahr war erstmalig seit 2009 eine Stagnation der Zahl der Beschäftigungsverhältnisse zu beobachten. Zwei Gründe sind für die nachlassende Dynamik anzuführen. Zum einen wird es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung für die Bauwirtschaft immer schwieriger, im Wettbewerb um die Fachkräfte mit den anderen Branchen zu obsiegen. Zum anderen sind die mittelfristigen Produktionsziele wohl mit dem erreichten Beschäftigtenniveau bei einer weiteren Steigrung der Produktivität zu erreichen. So rechnet die Branche auch 2015 nicht mit einer deutlichen Aufstockung des Personals.