Der Deutsche Meister der Fliesenleger kommt aus Niedersachsen

Silber geht nach Bayern, Bronze nach Baden-Württemberg

Um Gold-, Silber- und Bronzemedaillen haben bei den Deutschen Meisterschaften in den Bauberufen 63 Teilnehmer in acht Bauberufen in den Bildungszentren des Baugewerbes e.V. (BZB) in Krefeld gekämpft. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes ermittelt mit dem Bundesleistungswettbewerb traditionell die besten Nachwuchs-Bauhandwerker Deutschlands. Es war der 64. Wettbewerb dieser Art. Zugelassen sind Kammer- und Landessieger in den jeweiligen Berufen.

Bei den Fliesen-, Platten und Mosaikegern ging die Goldmedaille an Raphael Rossol aus Gnarrenburg in Niedersachsen. Platz zwei errang Domenic Niedermeier aus Wolnzach in Bayern, während sich Mario Waibel aus Vogtsburg-Achkarren in Baden-Württemberg über die Bronzemedaille freute.

Die acht Kandidaten hätten angesichts der komplizierten und anspruchsvollen Wettbewerbsaufgabe „erstmal geschluckt, sie dann aber souverän durchgezogen“, berichtete die Expertenjury, die die Arbeiten nach zwei Tagen zu bewerten hatte. Der 19 Jahre alte Raphael Rossol war von der Fliesen Team Bock GmbH in Harsefeld ausgebildet worden. Dort will er auch weiterhin arbeiten und zusätzliche Erfahrung sammeln. Danach könnte die Vorbereitung auf die Meisterprüfung anstehen. Mit seinem Sieg in Krefeld habe er „absolut nicht gerechnet, vor allem nicht, als ich im Wettkampf hautnah gesehen habe, wie stark meine Konkurrenten waren“, meinte er.

Der zweitplatzierte Domenic Niedermeier war schon von seinem „Lehrherrn“, der Ehrmann & Kainz GmbH aus Scheyern, zur Teilnahme am Landeswettbewerb gedrängt worden. Er habe sich selbst nicht als so stark eingeschätzt. Nun „landete“ er auf Bundesebene sogar nur um einen Bruchteil eines Wertungspunktes hinter Rossol, was zeigt, dass seine fachlichen Fertigkeiten doch überaus ausgeprägt sind. Ganz besonders überrascht über sein Abschneiden war Mario Waibel: „Bis vor zwei Jahren habe ich noch in einem Immobilienbüro gearbeitet. Das war mir aber dann zu langweilig und ich habe bei meinem Vater die Lehre als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger begonnen. Sie hat mir sofort Spaß gemacht und ich scheine Talent dafür zu haben. Das hat dazu beigetragen, dass die Lehrzeit von drei auf zwei Jahre verkürzt werden konnte. Dass ich es hier bis zu Bronze schaffen würde, hätte ich aber nie gedacht“, freute sich der 28-Jährige sichtlich.

In jedem der acht Wettbewerbsberufe mussten während der ein- bis dreitägigen Wettbewerbe praktische Arbeiten ausgeführt werden, die für den Beruf typisch sind. Dabei kam es auf handwerkliches Geschick an. Gefragt waren Maß- und Passgenauigkeit. Die Fliesen-, Platten- und Mosaikleger mussten während ihres zweitägigen Wettbewerbs zwei selbst gemauerte Wandflächen in der Größe 1,20 mal 1,80 Meter mit Wandfliesen 15/15 im Dünnbett belegen. Auf der linken Hälfte war oberhalb das „KR“ für Krefeld anzubringen, darunter eine Seidenkrawatte, da in Krefeld eine alte Seidenwebertradition beheimatet ist. Auf der rechten Seite war einer der vielen Krefelder Wassertürme einzuarbeiten. Im Boden war die Zahl „15“ als Dokumentation für das Austragungsjahr 2015 zu fertigen. Die Aufgabe bestand aus vielen Rund- und Schrägschnitten, die das ganze Können und die Konzentration der Teilnehmenden erforderten.

Die Medaillenträger bei den Fliesenlegern haben ebenso wie die Maurer, Stuckateure und Zimmerer die Chance, sich für die Berufseuropameisterschaft EuroSkills 2016 in Göteburg/Schweden im Dezember des kommenden Jahres zu qualifizieren und somit in das Nationalteam des Deutschen Baugewerbes aufgenommen zu werden.

„Wir haben insgesamt großartige Leistungen bei diesen Deutschen Meisterschaften gesehen. Das zeigt erneut, dass unsere Ausbildung im Baugewerbe qualitativ hochwertig ist und wir als Branche für die Zukunft gerüstet sind“, erklärte Klaus-Dieter Fromm, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses im Zentralverband Deutsches Baugewerbe, zum Abschluss der Wettbewerbe. „Grundlage dafür ist das duale Ausbildungssystem, das am Bau noch durch die Unterweisung in den überbetrieblichen Ausbildungsstätten ergänzt wird. Dieses System, um das wir weltweit beneidet werden, gilt es zu bewahren – im Interesse des Berufsnachwuchses wie des Verbraucherschutzes. Qualität am Bau kommt von Qualifizierung durch die beruflichen Aus- und Weiterbildung im Baugewerbe!“ Der Bildungsexperte umschrieb die Meisterschaften so: „Das ist DSDS für richtig arbeitende Menschen, die sich damit super Karrierechancen eröffnen. Sie haben alle höchste Professionalität und zugleich Herzblut bewiesen.“

Die Deutschen Meisterschaften in den Bauberufen wurden von der SOKA-BAU, der BG BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) und dem Messgeräte-Spezialisten Stabila unterstützt. Der Wettbewerb der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger wurde zusätzlich unterstützt von Hacom, Karl Dahm Werkzeuge, Lux Elements, Mapei, PCI, Schlüter-Systems, Schönox, Sopro, Villeroy & Boch Fliesen, Visoft und wedi. PCI und Villeroy & Boch Fliesen stellten zusätzlich Material bereit.