Bauprognose 2013: Baugewerbe weiter optimistisch

Wohnungsbau und öffentlicher Bau voraussichtlich im Plus. Großes Fragezeichen hinter dem Wirtschaftsbau.

I. Wohnungsbau

Die Baugenehmigungen im Wohnungsbau zeigen seit Mai wieder deutlich nach oben, kumulativ per August liegen sie bei fast +7 %. Das Genehmigungsvolumen hat mittlerweile ein ähnliches Niveau wie 2006 erreicht, als klar war, dass die Eigenheimzulage ausläuft. Die Rahmenbedingungen auf den Anlagemärkten spielen der Entwicklung im Wohnungsbau in die Hände, so dass in umgekehrter Schlussfolgerung eine Beruhigung der Finanzmärkte dem derzeitigen Boom wieder Luft nehmen würde. Gleichwohl attestieren Immobilienexperten dem deutschen Immobilienmarkt weiterhin Solidität. Eine Immobilienpreisblase liegt noch nicht vor. Dies wäre erst dann der Fall, wenn die hohen Preise daraus resultieren, dass Investoren weiter steigende Preise erwarten, ohne dass fundamentale Daten dies rechtfertigen. Gegenwärtig gibt es keine expansive Kreditvergabe, die Mietpreise halten mit den Kaufpreisen Schritt. Es gibt Nachholeffekte bei der Nachfrage. Preisentwicklungen sind zu einem guten Teil aus Kostensteigerungen begründet, sie treten zudem regional sehr differenziert auf.

Die Auftragseingänge zeichnen die Entwicklung bei den Baugenehmigungen nach, kumulativ schlagen hier 7,033 Mrd. Euro und damit + 11,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu Buche.

Der Umsatz im Wohnungsbau liegt im August 2012 um 7,6 % über dem August-Wert 2011. Kumulativ liegt der Umsatz per August auf 20,14 Mrd. Euro, und damit bei +7,4 %. Unsere Prognose für 2012, mit + 6,7 % liegt daher gut im Trend. Denn wir gehen davon aus, dass in den Monaten November und Dezember nicht mehr so hohen Zuwachsraten erreicht werden wie im Vorjahr, da damals die beiden Monate witterungsbedingt enorme Umsätze aufwiesen.

Für 2013 scheint eine Umsatzentwicklung im Wohnungsbau aus heutiger Sicht, eingedenk der Frühindikatoren und Rahmendaten in einer Größenordnung zwischen + 4 % und + 6 % möglich zu sein.

II. Wirtschaftsbau

Die Baugenehmigungen im Wirtschaftsbau zeigen ein – in Bezug auf die Erwartungshaltung der Unternehmen für die nächsten Monate - erstaunlich anhaltend positives Bild. Seit April schlagen hier monatlich zweistellige Zuwachsraten zu Buche, sodass kumulativ mehr als + 15 % erreicht sind (bemessen nach Baukosten). Diese Werte werden auch für Fabrikgebäude, Bürogebäude und Hotels- und Gaststätten (dort noch deutlich höher) nach umbautem Raum erreicht. Nur für Lagergebäude – bei denen man konjunkturelle Entwicklungen besonders früh erkennen kann - zeichnet sich am aktuellen Rand ein Rückgang ab.

Die Auftragseingänge zeigen im Wirtschaftshochbau im Jahresverlauf seit März jeweils kumulativ ca. + 10 % an. Der Tiefbau hält sich demgegenüber zurück. Seit März wird die Nulllinie hier kumulativ nicht mehr überschritten.

Die Umsatzentwicklung im Wirtschaftsbau zeichnet diese Entwicklung nach. Während der Hochbau bei ca. + 4 % liegt, bleibt der Tiefbau nach dreijähriger Steigerung in diesem Jahr etwas unter dem Vorjahreswert. Insgesamt kommt der Wirtschaftsbau aktuell kumulativ auf 20,67 Mrd. Euro, d.h. + 2,2 %.

Unsere Prognose für den Umsatz im Wirtschaftsbau steht für 2012 bei +2,5 % und damit gut im Zielkorridor. Für 2013 bleibt fraglich, ob angesichts der nachlassenden Geschäftserwartungen die genehmigten Bauvorhaben auch tatsächlich zur Umsetzung kommen. Die Erfahrung aus jüngster Vergangenheit hat es schon einmal gezeigt: Zum Ende des Jahres 2008 lagen die Baugenehmigungen kumulativ um 15 % und die Order um + 2,5 % über dem Jahr 2007. Infolge der Krise in 2009 wurden Order storniert, der Umsatz brach um 10 % ein.

Für die Prognose des Umsatzes für 2013 scheint trotz derzeit noch guter Nachrichten von den Frühindikatoren Vorsicht angebracht. Die tatsächliche Investitionsneigung in der Wirtschaft muss sich in den nächsten Monaten erst noch zeigen. Bleibt diese erhalten, ist eine Umsatzsteigerung um + 2 % in 2013 möglich. Bewahrheiten sich die aus den Umfragen ersichtlichen zurückhaltenden Erwartungen für die Zukunft, wird das Niveau aus 2012 im kommenden Jahr nicht zu halten sein.

III. Öffentlicher Bau

Die Baugenehmigungen für den öffentlichen Hochbau stehen kumulativ bei – 10 %. Vom Trend her ist das sogar eine Verbesserung. Im Frühjahr waren hier noch kumulativ Rückgänge von über 20 % zu verzeichnen. Die Auftragseingänge im Hochbau haben sich wieder gefangen. Kumulativ ist hier die Nulllinie erreicht, d.h. zumindest das Vorjahresniveau. In den Sommermonaten hatte das jeweilige Minus das laufende Jahr noch unter das Vorjahr gedrückt.

Die Auftragseingänge im öffentlichen Tiefbau halten seit Mai jeweils um 1 Mrd. Euro über dem Vorjahresniveau, was kumulativ einer Steigerung um 10 % entspricht. Im Angesicht zu erwartender steigender Finanzierungsüberschüsse bei Ländern und Kommunen, wie auch angesichts des Investitionsbeschleunigungsprogrammes des Bundes hatten wir die Erwartung, dass die während der Umsetzung der Konjunkturpakete liegengebliebenen Tiefbauprojekte nun verstärkt angegangen würden. Dies scheint sich nun zu bestätigen.

Der Umsatz im öffentlichen Tiefbau ist vom Juni bereits von - 5,8 % auf ca. – 3 % geklettert. Wir haben für 2012 prognostiziert, dass im öffentlichen Tiefbau noch das Vorjahresniveau erreicht wird. Wir gehen davon aus, dass dieses auch erreicht werden wird. Der Umsatz im öffentlichen Hochbau zeigt in diesem Jahr, so auch am aktuellen Rand, nach unten. Kumulativ schlagen hier – 14 % zu Buche. Tendenziell ist auch dieses eine Verbesserung. Im Juni lag der Rückstand noch bei - 16 %.

Insgesamt liegt der Umsatz im öffentlichen Bau aktuell kumulativ bei über 15,43 Mrd. Euro und damit noch um 5,8 % unter dem Vorjahr. Da der Umsatz per Juni noch mit 8,4 % im Minus lag, ist zu erwarten, dass unsere Prognose von - 2,7 % noch erreicht werden wird.

Für 2013 erwarten die Institute eine anhaltend positive Entwicklung bei den öffentlichen Haushalten. Die positive Entwicklung bei den Auftragseingängen hat begonnen sich in einem positiven Trend bei den Umsätzen niederzuschlagen. Diese Entwicklung wird sich in 2013 fortsetzen, der Umsatz im öffentlichen Bau kann aus heutiger Sicht + 4 % bis + 5 % erreichen. Dies korrespondiert mit den Einschätzungen der Forschungsinstitute die schon eine reale Entwicklung von bis + 4,3 % erwarten

IV. Umsatz Bauhauptgewerbe

Der Umsatz im Bauhauptgewerbe steht per August bei 56,23 Mrd. Euro, was einem Plus von 1,6 % entspricht. Für 2012 liegt unsere Prognose von +2,3 % gut im Trend, das zeigt die Entwicklung in den einzelnen Sparten.

Der Umsatz im Bauhauptgewerbe insgesamt wird in 2013 bei Eintreffen der prognostizierten Spartenentwicklung bei +3 bis bestenfalls + 4 % liegen können. Dies ist dann der Fall, wenn im Wirtschaftsbau die sich abzeichnende Entwicklung aus den Frühindikatoren zum Tragen kommt. Die Prognose für diese Sparte ist mit den höchsten Risikofaktoren und daher mit der größten Unsicherheit behaftet. Für den Wohnungsbau und den öffentlichen Bau ist die Trendentwicklung mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv.

V. Beschäftigtenentwicklung

Das Beschäftigungsniveau liegt laut laufender Statistik um 1 % unter Vorjahresniveau. Die seit März vom Statistischen Bundesamt ausgewiesenen etwas rückläufigen Werte werden vermutlich wie im Vorjahr vom Statistischen Bundesamt mit der Korrektur per Oktober nachgebessert. Jedenfalls zeigen die monatlichen SOKA-Zahlen ein Plus von ca. 1 % an. Insofern bleibt unsere Prognose für 2012 von + 1,5 % weiter gut begründet. Für 2013 ist angesichts der prognostizierten Umsatzsteigerung mit einer weiteren Stabilisierung der Beschäftigung zu rechnen.