Baukonjunktur Juli 2016: Die Umsatzentwicklung im Bauhauptgewerbe kann das Tempo der Vormonate nicht halten

Mit 9,7 Mrd. € insgesamt, für alle Unternehmen, wird der Vorjahresumsatz geringfügig verfehlt (-1,7 %). Die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten erreichen das Umsatzniveau des Vorjahres (+0,5 %). Eine Trendumkehr der bisherig dynamischen Umsatzentwicklung deutet sich jedoch bisher nicht an. Der Auftragseingang legt wieder zweistellig zu (+10,8 %).

In den einzelnen Sparten zeigt sich folgende Entwicklung:

Im Juli wurden wiederum ca. 30.000 WE in Wohngebäuden genehmigt und damit kumulativ fast 210.000 WE. Zum gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 166.000 WE. Die große Nachfrage im Wohnungsbau hält unvermindert an. Eine bereits im Juni erkennbare Entwicklung setzt sich dabei fort:

Im Neubau wurden nicht mehr Genehmigungen beantragt als im Vorjahr (-3 %). Für Ein- und Zweifamilienhäusern wurden im Juli „nur“ für ca. 9.600 WE Baugenehmigungen beantragt, das waren etwa 1.600 weniger als im Juli 2015. Ob dies Bremsspuren aus der Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie sind, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Kumulativ wurden gut 71.000 WE in Ein- und Zweifamilienhäusern genehmigt, immer noch 5.500 WE mehr als in 2015; eine Steigerung um 8 %.

Deutlich höher hält sich die Nachfrage in Ballungsräumen, wie sich im Mehrfamilienhausbau (+27 %) und bei den Wohnheimen (+143 %) zeigt. Ein Teil der Wohnheime wird auch zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Der Wachstumsschub kommt zudem von beantragten Umbauten. Gerade in Ballungsräumen, wo Bauland knapp ist, kommt Umbauten eine wachsende Bedeutung zu.

Mit 3,6 Mrd. Euro Umsatz im Wohnungsbau wird im Juli 2016 das Niveau aus dem Vorjahr gehalten. Mit gut 21 Mrd. € per Juli wurde das höchste Umsatzniveau seit dem Jahr 2000 erreicht (+9 %). Die Auftragsbücher bleiben gut gefüllt. Seit Jahresbeginn halten sie ein Plus von fast 20 %.

Die Nachfrage im Wirtschaftsbau zeigt sich stabil. Im anteilsstarken Hochbau liegen die Order mit +20% deutlich über dem Vorjahresniveau. Dies gilt auch für den Frühindikator Baugenehmigungen. Robust zeigt sich dabei insbesondere die Nachfrage bei den Fabrikgebäuden. Etwas volatiler –aber ebenfalls jeweils mit deutlichem Plus gegenüber dem Vorjahr- werden Baugenehmigungen für Handels- und Bürogebäude beantragt.

Im Tiefbau bestätigt sich die erwartete Entwicklung: Die Order liegen hier um ca. 7 % oberhalb des Vorjahresniveaus, was nicht zuletzt auf die steigenden Investitionen bei der Bahn zurückgeführt werden kann.

Die Unternehmen weisen insgesamt per Juli einen Umsatz von fast 19 Mrd. € aus und damit ca. 400 Mio. Euro mehr als vor Jahresfrist (+2 %).

Eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft als im Vorjahr zeigt die öffentliche Hand. Das Ordervolumen liegt kumulativ mit 15,3 Mrd. € um 2,4 Mrd. Euro höher als per Juli 2015 (+19 %). Dabei sticht das Bestellvolumen im anteilsstarken Tiefbau mit einem Plus von über 20 % heraus. Der im Bundeshaushalt für 2016 eingestellte Investitionshochlauf bei der Straße um ca. eine Milliarde Euro zeigt Wirkung. Mit 12,7 Milliarden Euro liegen die Order im Tiefbau insgesamt um 2 Mrd. Euro über dem Vorjahresniveau. Derartig gefüllte Auftragsbücher gab es die letzten 16 Jahre nicht.

Aber auch im Hochbau setzen Länder und Kommunen offensichtlich im ersten Halbjahr 2016 Investitionsbudgets für Kitas und Schulen ein. Der Ordereingang liegt um 11 % über dem Vorjahresniveau.

Per Juli wurde im öffentlichen Bau insgesamt ein Umsatz von 14,4 Mrd. € realisiert (+4%), wie zuletzt im Jahr 2000.

Das Bauhauptgewerbe erreicht insgesamt per Juli einen Umsatz von 54,3 Mrd. € (+5,2 %). Betrachtet man nur die meldenden Unternehmen mit 20 Beschäftigten und mehr (nicht aufgeschätzte Grundgesamtheit), so liegt das Plus bei fast 7 %. Dabei sticht die Leistungssteigerung im Wohnungsbau mit gut 14 % heraus. Diese Unternehmen sind besonders im Mehrfamilienhausbau engagiert.

Der Beschäftigtenstand wird nach den Daten des Statistischen Bundesamtes per Juni mit ca. 752.000 und damit knapp unter dem Vorjahresniveau gemeldet. Nach den Daten der SOKA ist von einem Beschäftigungsgewinn auszugehen (+2 %).