Baukonjunktur Bauhauptgewerbe Februar 2017: Milde Witterung und gute Auftragslage befördern Bautätigkeit zum Jahresbeginn 2017

Das Bauhauptgewerbe ist mit Schwung in das Baujahr 2017 gestartet. Die Branche verfügte zum Jahresbeginn 2017 mit nahezu 35 Mrd. € über den höchsten Auftragsbestand seit 1995. Die Reichweite lag mit fast 6 Monaten um ca. einen Monat über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Zum Jahresende 2016 hat das Statistische Bundesamt die Aufschätzung zur Konjunkturentwicklung für alle Betriebe im Bauhauptgewerbe (Umsatz, Arbeitsstunden, Beschäftigte) eingestellt. Bereitgestellt werden nur noch die Daten für Betriebe ab 20 Beschäftigte. Für diesen Meldebereich liegt der Umsatz per Februar mit 7,1 Mrd. € um ca. 7 % über dem Vorjahreswert. Umsatzsteigerungen sind dabei in allen Bausparten zu verzeichnen.
In den einzelnen Sparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab:

Der Umsatz im Wohnungsbau liegt für den Meldebereich (Betriebe ab 20 Beschäftigte) per Februar bei 1,8 Mrd. Euro (+7 %). Im gesamten Jahr 2016 lag der Anteil dieses Meldebereiches am Umsatz dieser Bausparte bei 41 %. Er hat sich damit seit 2010 um 7 %-Punkte erhöht, was auf die anziehende Neubautätigkeit und hier insbesondere den Mehrfamilienhausbau zurückzuführen ist. An diesem partizipieren die großen Unternehmen stärker als im Einfamilienhausbereich.

Die Baugenehmigungen für Neu- und Umbauten in Wohngebäuden, bemessen nach Baukosten, haben gegenüber den exorbitant hohen Vorjahreswerten (per Feb 2016 +32 %) etwas nachgegeben (per Feb 2017 -5,1 % jeweils zum Vorjahreszeitraum). Insgesamt bleibt es damit bei einem hohen Niveau der Nachfrage. Das bestätigt auch der Orderzugang, der mit 9 % über dem Wert des Vorjahreszeitraumes liegt.

Gegenüber dem Vorjahr haben bisher die Baugenehmigungen für Umbaumaßnahmen und für Neubaumaßnahmen in Ein- und Zweifamilienhäusern nicht mehr das Niveau aus 2016 gehalten. Im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser ist eine rückläufige Tendenz seit dem zweiten Halbjahr 2016 zu beobachten, dies allerdings immer noch auf einem sehr hohen Jahresniveau von 118.000 genehmigten Wohneinheiten. Bei den Mehrfamilienhäusern, die insbesondere in den nachgefragten Groß- und Universitätsstädten errichtet werden, ist eine weiter steigende Nachfrage zu registrieren. Hier wurden per Februar 2017 für mehr als 24.000 WE Baugenehmigungen beantragt, das waren wiederum 8 % mehr als im Vorjahreszeitraum. (Im Vorjahr betrug der Anstieg knapp 24 %.)

Der Umsatz im Wirtschaftsbau liegt für den Meldebereich (Betriebe ab 20 Beschäftigte) per Februar bei 3,3 Mrd. € (+7 %). Im gesamten Jahr 2016 lag der Anteil dieses Meldebereiches am Umsatz dieser Bausparte bei knapp 80 %. Dieser Wert ist auch repräsentativ für die letzten Jahre.

Hier zeigen die Nachfrageindikatoren Ambivalenz: Während die Order per Februar mit +15 % offensichtlich auf dem hohen Plus an Baugenehmigungen des Vorjahres bei allen Gebäudetypen aufsetzen können, zeigt sich die Investitionsneigung insbesondere im industrienahen Bereich am aktuellen Rand schwächer. So reichen die Baugenehmigungen (bemessen nach Baukosten) per Februar im Bereich Fabrikgebäude (-17 %) und Handel –und Lagergebäude (-5 %); jeweils nicht an die Vorjahreswerte heran. Diese waren im Vorjahr allerdings von sehr hohem Niveau. Einzig bei den Büro- und Verwaltungsgebäuden herrscht hohe Nachfrage (+22 %).Impulse kommen derzeit also eher aus dem Dienstleistungsbereich.

Im Ordereingang zeigen sowohl der anteilsstarke Hochbau (+19 %) als auch der Tiefbau (+10 %) eine gute Performance. Dies insbesondere, wenn man den hohen Auftragsbestand zu Beginn des Jahres berücksichtigt. (+25 %)

Der Umsatz im öffentlichen Bau liegt für den Meldebereich (Betriebe ab 20 Beschäftigte) per Februar bei 2,1 Mrd. € (+7 %). Im gesamten Jahr 2016 lag der Anteil dieses Meldebereiches am Umsatz dieser Bausparte bei knapp 83 %. Dieser Wert ist auch repräsentativ für die letzten Jahre.

Der Bund hat im letzten Jahr die Rahmenbedingungen für die Nachfrage im öffentlichen Bau sowohl im Tiefbau als auch im Hochbau verbessert.

So wird im Tiefbau die Investitionslinie im Verkehr von einem Basiswert der Jahre 2010 bis 2015 von ca. 10,5 Mrd. € bis 11 Mrd. € von 2017 bis 2019 auf knapp 14 Mrd. € hochgefahren. Die Umsetzung dieser Steigerung um ca. 30 % kann nur gelingen, wenn die öffentliche Hand entsprechende Planungskapazitäten binden kann und Bauherrenkompetenz wieder erlangt. Beides hat sie im Zeitraum sinkender und niedriger Investitionsbudgets abgebaut.

Im Hochbau werden sich in diesem Jahr bei den Kommunen die zusätzlichen Mittel für die kommunale Infrastruktur niederschlagen. Der Bund hat zum Jahresende 2016 den Kommunalinvestitionsförderungsfonds auf 7 Mrd. € verdoppelt. Gleichzeitig dürfen die Kommunen im Bereich der Schulen nun generell in Sanierungsmaßnahmen einsteigen, die bisherige Beschränkung auf energetische Sanierungsmaßnahmen entfällt.

Die Impulse, die der Bund gesetzt hat, schlagen sich noch nicht in der Nachfrage nieder. Während zumindest im Tiefbau das Vorjahresniveau knapp gehalten wird, reichen die Order im Hochbau nicht an das Vorjahr heran (-7 %).