Baukonjunktur Halbjahresbilanz 2016: Intensive Bautätigkeit im 1. Halbjahr 2016; Umsatzwachsum von 4 % erwartet

Das Baugewerbe erwartet ein sehr gutes Baujahr 2016, das zeigen die Konjunkturdaten des ersten Halbjahres. Demnach geht das Baugewerbe von einem Umsatzwachstum von gut 4 % bis hin zu 5 % in 2016 aus. Zu Jahresbeginn wurden noch plus 3 % prognostiziert.

Mit 436 Mio. Arbeitsstunden wurde im Bauhauptgewerbe per Juni eine ähnlich hohe Leistung erbracht, wie zuletzt in 2003. Damals waren jedoch noch durchschnittlich fast 810.000 Beschäftigte daran beteiligt, in 2016 sind es jahresdurchschnittlich ca. 750.000 Beschäftigte. In jedem Monat des ersten Halbjahres lagen die Order im zweistelligen Zuwachsbereich. Ein Umsatz von 45 Mrd. € per Juni (+7 % gegenüber dem Vorjahr) wurde zuletzt vor dem Jahr 2000 erzielt. Ein Umsatzwachstum verzeichnen alle Bausparten. Die Preise für Bauleistungen legen weiter nur moderat um 2 % zu.

In den einzelnen Bausparten zeigt sich folgende Entwicklung:

Wachstumstreiber bleibt der Wohnungsbau: Der Umsatz liegt mit ca. 17,5 Mrd. € im ersten Halbjahr um 11 % über dem Vorjahresniveau. Ein Abbruch der dynamischen Entwicklung zeichnet sich nicht ab, die Auftragseingänge liegen um 20 % über dem Vorjahresniveau.

Mit nahezu 180.000 WE wurden zudem ca. 41.000 WE (+30 %) mehr genehmigt, als vor Jahresfrist (Wohngebäude; Neu- und Umbau). Besonders dynamisch nahmen die Umbauten, mit +40 % zu. Gerade in Ballungsräumen, wo preiswerter Wohnraum knapp ist, kommt Umbauten eine wachsende Bedeutung zu. Einige Großstädte praktizieren mittlerweile Aufstockungen an vorhandenen Gebäuden.

Im Bereich Neubau spiegelt sich die große Nachfrage in den Ballungsräumen nach Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (+31 %) und Wohnheimen (+176 %) wieder. Etwas verhaltener ist der „Ansturm“ auf Ein- und Zweifamilienhäuser mit +13 %. Der deutliche Zuwachs bei den Wohnheimen liegt einerseits an der niedrigen Ausgangsbasis. Ein Teil der Wohnheime wird auch zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden.

Die Finanzierungsbedingungen für Wohnimmobilien bleiben insgesamt günstig. Angesichts der seit 2010 stattfindenden Preisentwicklung bei Immobilien– anders als bei den reinen Bauleistungen - relativieren sich die günstigen Finanzierungsbedingungen in wachsendem Maße. Zudem wirft die seit März geltende Wohnimmobilienkreditrichtlinie ihre Schatten. Einige Kreditinstitute konstatieren eine verhaltenere Kreditvergabe; (siehe auch Pressemitteilung ZDB vom 22. Juli 2016).

Das prognostizierte solide Wachstum im Wohnungsbau von +5 % für das Jahr 2016 wird klar erreicht und eher übertroffen werden.

Die Nachfrage im Wirtschaftsbau zeigt sich deutlich nachhaltiger als erwartet. In der Prognose war angesichts verhaltener Konjunkturerwartungen der Industrie nur mit schwachen Wachstumsimpulsen gerechnet worden.

Gerade im anteilsstarken Hochbau sind nach verhaltenem Start deutliche Nachfrageimpulse sichtbar. Die Order liegen hier um ca. 20 % oberhalb des Vorjahresniveaus. Die Baugenehmigungen per Juni fallen für alle Gebäudetypen deutlich höher aus, als vor Jahresfrist: Fabrikgebäude (+40 %), Lagergebäude (+19 %), Bürogebäude (+10 %); (jeweils bemessen nach Baukosten).

Im Tiefbau bestätigt sich die erwartete Entwicklung: Die Order liegen hier um ca. 9 % oberhalb des Vorjahresniveaus, was nicht zuletzt auf die steigenden Investitionen bei der Bahn zurückgeführt werden kann.

Die Unternehmen weisen insgesamt per Juni einen Umsatz von 15,7 Mrd. € aus und damit ca. 600 Mio. Euro mehr als vor Jahresfrist (+4 %). Angesichts der stabilen Nachfrageentwicklung ist nunmehr auch im Wirtschaftsbau mit einer erkennbaren Umsatzsteigerung von ca. 3% in 2016 zu rechnen.

Die öffentliche Hand hat im ersten Halbjahr 2016 deutlich mehr Aufträge erteilt, als in 2015. Mit einem Ordereingang von fast 13 Mrd. Euro weist der öffentliche Bau ein nachhaltiges Plus von ca. 20 % auf. Dabei sticht das Bestellvolumen im anteilsstarken Tiefbau mit einem Plus von über 20 % heraus. Der im Bundeshaushalt für 2016 eingestellte Investitionshochlauf bei der Straße um ca. eine Milliarde Euro zeigt Wirkung. Mit 12 Milliarden Euro liegen die Auftragsbestände im Tiefbau insgesamt um 1,5 Mrd. Euro über dem Vorjahresniveau. Derartig gefüllte Auftragsbücher gab es die letzten 16 Jahre nicht.

Aber auch im Hochbau setzen Länder und Kommunen offensichtlich im ersten Halbjahr 2016 Investitionsbudgets für Kitas und Schulen ein. Der Ordereingang liegt um 12 % über dem Vorjahresniveau.

Ein Umsatzplus per Juni von 4,7 % liegt im Prognosebereich für den öffentlichen Bau in 2016. Die Signale aus den Frühindikatoren lassen klar an der Prognose von 4% festhalten.

Insgesamt wird das Bauhauptgewerbe auf Basis der aktuellen Datenlage das Jahr 2016 mit einem Umsatzwachstum von gut 4% bis zu 5% abschließen. Zu Jahresbeginn war noch von einer Steigerung von 3% ausgegangen worden.

Der Beschäftigtenstand wird nach den Daten des Statistischen Bundesamtes per Juni mit ca. 749.000 und damit knapp unter dem Vorjahresniveau gemeldet. Nach den Daten der SOKA ist von einem Beschäftigungsgewinn auszugehen (+2 %).