Aufholprozess bleibt im zweiten Quartal 2015 weiter aus

Der Umsatz in Bauhauptgewerbe lag im Mai bei 7,7 Mrd. Euro und damit um 0,6 Mrd. Euro unterhalb des Vorjahreswertes (- 7 %).

Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Mai 2015 zwei Arbeitstage weniger zur Verfügung standen als im Mai 2014. Im Juni sollte eine entsprechende Korrekturbewegung sichtbar werden, da im Juni 2015 zwei Arbeitstage mehr zur Verfügung stehen als im Juni 2014.
Insgesamt bleibt die Umsatzentwicklung per Mai mit 32,3 Mrd. Euro um ca. 1,5 Mrd. Euro (- 4,5 %) hinter dem Vorjahreswert zurück. Die Anzeichen für einen dynamischen Aufholprozess fehlen weiterhin. Das Genehmigungsvolumen für Wohn- und Nichtwohnbauten fiel im Mai wie auch kumulativ für die ersten fünf Monate weiter geringer aus als im Vorjahr; die Order erreichen kumulativ nur das Vorjahresniveau.

In den einzelnen Sparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab:

Zugpferd der Bauwirtschaft bleibt weiter der Wohnungsbau. Die Umsätze liegen hier zwar mit gut 12,3 Mrd. € weiter leicht unter dem Vorjahrjahreswert (- 2,1 %), bleiben aber insgesamt auf hohem Niveau. Die Baugenehmigungen (kumulativ + 2 %) und Auftragseingänge (kumulativ +6 %) lassen weiter auf eine hohe Produktion hoffen. Das Wachstum fällt dabei - wie erwartet - flacher aus als in den Vorjahren.

Wachstumsbeiträge kommen aus dem Mehrfamilienhausbau (ohne Wohnheime). Von den 1.460 bis Mai hier mehr genehmigten Neubaueinheiten entfällt etwa die Hälfte auf Berlin. Bei den Ein- und Zweifamilienhäusern bleibt es bei der negativen Stagnation auf hohem Niveau (derzeitiger Stand der Neubaugenehmigungen 43.840 (- 2,5 %)). Überraschend ist aber, dass für Wohnheime deutlich weniger Genehmigungen beantragt werden als im Vorjahr (- 27 %). So stehen den ca. 2,7 Millionen Studenten bundesweit nur etwas mehr als 300.000 Wohnheimplätze zur Verfügung. Die Wartelisten übersteigen daher das Angebot um ein Vielfaches. Es wird damit gerechnet, dass die Anzahl der Studenten auf dem hohen Niveau verbleibt. Mit ca. 3.130 neugenehmigten Wohneinheiten in Wohnheimen per Mai wird zwar immer noch mehr genehmigt als in den Jahren bis 2013. Der Wert aus 2014 – mit 4.300 WE, wird aber deutlich verfehlt. Die nächsten Monate werden hier zeigen, ob der Genehmigungs-Pik in 2014 erreicht wurde.

Die für den Wohnungsbau richtungsweisenden Basisindikatoren wie der Zuzug, die Binnenwanderung, steigende Einkommen bei nach wie vor niedrigem Zinsniveau lassen weiter das prognostizierte Umsatzziel von + 3 % im Jahr 2015 als wahrscheinlich erscheinen. Dafür spricht auch, dass der veröffentlichte (geschätzte) Wert für die Umsatzentwicklung im Wohnungsbau wohl unterzeichnet ist. Die im Mehrfamilienhausbau stärker engagierten größeren Unternehmen weisen im Wohnungsbau per Mai jedenfalls ein Umsatzplus von ca. 3 % aus.

Dass der erhoffte Aufholprozess sich nicht abzeichnet, liegt vor allem an der Performance des Wirtschaftsbaus, die schwächer ist als erwartet. Mit 11,7 Mrd. Euro bleibt der Umsatz zum Vorjahr weiter mit 5 % im Minus. Offensichtlich sind die Anreize in Kapazitätsausweitungen zu investieren, zu gering. So zeigen die Order im Wirtschaftshochbau per Mai mit ca. minus 6 % wenig Investitionslaune aus der Wirtschaft an. Die Wirtschaft beantragt nun schon seit drei Monaten zwischen 8 % bis 10 % weniger Baugenehmigungen. Die Zurückhaltung betrifft sowohl Fabrik- als auch Lagergebäude. Anzeichen für Produktionssteigerungen in den kommenden Monaten gibt es aus dem Tiefbau. Hier könnten die Investitionsausweitungen bei der Bahn durchschlagen.

Das zum Jahresende erwartete Umsatzergebnis von + 1,5 % im Wirtschaftsbau erscheint insgesamt derzeit recht optimistisch. Hierfür bräuchte es im zweiten Halbjahr deutliche Konjunkturimpulse, die in schwierigem außenwirtschaftlichem Umfeld (Auswirkungen Krise Griechenland) schwer zu greifen sind.

Für den öffentlichen Bau sind wir in der Prognose für das Jahr 2015 von nur schwachem Wachstum (+ 1 %) ausgegangen: Der Bundeshaushalt sieht für 2015 keine Steigerungen bei der Finanzierung von Straßen und Wasserstraßen vor, und die kommunalen Spitzenverbänden haben für 2015 nur eine geringfügige Investitionsausweitung der Kommunen in Aussicht gestellt.

Der Umsatz im öffentlichen Bau liegt per Mai bei 8,2 Mrd. Euro; im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 8,9 Mrd. Euro. Mithin hat sich ein Delta von 7 % aufgetan. Dabei ist es in dieser Sparte insbesondere der schwergewichtige Tiefbau, dem das Tempo fehlt. Auch wenn die Steuereinnahmen höher als erwartet ausfallen: die Kommunen können ihre Investitionsbudgets nicht so ausweiten, wie es die Herausforderungen gebieten. Obwohl der Bund mit Sonderbudgets die Unterbringung von Flüchtlingen stützt (für das Jahr 2015 mit 500 Mio. €), reichen diese Mittel nicht aus. Für konkurrierende Investitionen in den Straßenbau bleiben zu wenig Ressourcen.

Angesichts des bereist aufgelaufenen Rückstandes erscheint eine Umsatzsteigerung – selbst um 1 % - sehr ambitioniert. Dafür müssen gerade im Tiefbau mehr Aufträge an den Markt kommen. Eine Aufstockung der Budgets ist aber erst ab 2016 vorgesehen.

Die Zahl der gewerblich Beschäftigten erreicht seit Jahresbeginn nicht mehr das Vorjahresniveau. Schon im letzten Jahr war erstmalig seit 2009 eine Stagnation der Zahl der Beschäftigungsverhältnisse zu beobachten. Zwei Gründe sind für die nachlassende Dynamik anzuführen. Zum einen wird es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung für die Bauwirtschaft immer schwieriger, im Wettbewerb um die Fachkräfte mit den anderen Branchen zu obsiegen. Zum anderen sind die mittelfristigen Produktionsziele wohl mit dem erreichten Beschäftigtenniveau auch bei einer weiteren Steigerung der Produktivität zu erreichen. So rechnet die Branche auch 2015 nicht mit einer deutlichen Aufstockung des Personals.