Bauwirtschaft blickt optimistisch nach vorne: 1,6 % Umsatzwachstum in 2012 erwartet

Statement des Hauptgeschäftsführers des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Felix Pakleppa, anlässlich der Pressekonferenz zur Eröffnung der DEUBAU am 10. Januar 2012 in Essen.

"Nach mehreren von Umsatzrückgängen geprägten Jahren wird das Jahr 2011 mit einem seit langem nicht erlebten hohen Umsatzzuwachs von 10,5 % schließen. Damit steigt der Branchenumsatz seit 2001 erstmals wieder über die 90 Mrd.-Euro-Grenze und dürfte am Ende 2011 bei 90,6 Mrd. Euro liegen.

Die Hauptbeiträge dafür lieferten vor allem der Wohnungs- wie auch der Wirtschaftsbau. Auch der öffentliche Bau lag im Plus, wenn auch unterdurchschnittlich.

Das hohe Umsatzwachstum hat in 2011 wesentlich dazu beigetragen, dass die Beschäftigtenzahl auf 735.000 angestiegen ist. Damit sind wir wieder deutlich von der 700.000er Grenze weg gekommen.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle Wasser in den Wein gießen: Denn mit der Umsatzsteigerung in 2011 ging keine adäquate Verbesserung der Erträge der Unternehmen einher. Umfragen unter unseren Mitgliedern bestätigen, dass es den Bauunternehmen nicht gelang, Preissteigerungen, die sie bei den Einstandskosten hinnehmen mussten, entsprechend in den Verkaufspreisen weiter zu geben.

Im vor uns liegenden Jahr wird unserer Einschätzung nach die Bauwirtsaft weiter wachsen, allerdings wird der Branchenumsatz nur noch um 1,6 % zulegen.

Wohnungsbau:

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trug wesentlich zur guten Entwicklung im Wohnungsbau bei. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, erreichte die Zahl der Erwerbstätigen mit rund 41 Millionen Personen den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Aber nicht nur die Zahl der Erwerbstätigen ist gestiegen, sondern auch das das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte wuchs im Jahresverlauf um 3,1 %. Ein stabiler Arbeitsmarkt und steigende Einkommen bilden ein gutes Fundament, um den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Darüber hinaus trug der Investitionsrückstau in den letzten Jahren sowie ein unverminderter Zuzug in die Ballungsräume zu einer Belebung des Wohnungsneubaus bei.

Investitionen in Wohnungseigentum bleiben in Zeiten einer anhaltenden Finanzkrise eine interessante Alternative zu Aktien und Staatsanleihen. Beleg dafür ist das Wachstum der Baugenehmigungen für Eigentumswohnungen: Investitionen in Eigentum sind stärker gestiegen, nämlich um 40 %, als die Genehmigungen beim Mietwohnungen, die um 9,5 % zulegten. Dabei hat sich das Interesse an Eigentumswohnungen in den neuen Bundesländern sogar fast verdoppelt, wenn auch von niedriger Basis aus.

Die Investitionsneigung im Wohnungsbau hat sich in einem mehr als deutlichen Zuwachs beim Umsatz niedergeschlagen, dieser ist um 15,6 % auf 30,4 Mrd. Euro angestiegen.

Entscheidend für unsere Firmen im Bauhauptgewerbe war, dass die Entwicklung im Wohnungsbau im vergangenen Jahr nicht länger nur durch Modernisierung und Sanierung bestimmt war, sondern dass insbesondere der Wohnungsneubau wieder an Schwung gewonnen hat. Daher liegt auch die Zahl der Baufertigstellungen im Neubau deutlich im Plus, und zwar bei 164.000. Sie wird in diesem Jahr auf rund 180.000 steigen.

Arbeiten im Bestand werden auch in diesem Jahr mindestens in derselben Höhe wie 2011 anfallen, so dass wir von einer guten Wohnungsbaukonjunktur in diesem Jahr ausgehen können. Dazu trägt auch der positiv anhaltende Trend bei den Baugenehmigungen bei, der ein weiteres Wachstumspotential, sowohl für Produktion wie auch die Umsatzentwicklung aufzeigt, zumal die günstigen Rahmenbedingungen erhalten bleiben.

Gleichwohl wird sich die Dynamik im Wohnungsneubau in 2012 normalisieren. Vor diesem Hintergrund erwarten wir in diesem Jahr ein weiteres, wenn auch deutlich vermindertes Wachstum der Umsätze im Wohnungsbau um 5 % auf 31,9 Mrd. Euro.

Wirtschaftsbau:

Der Wirtschaftsbau hat sich in 2011 im Zuge des fortgesetzten konjunkturellen Aufschwunges deutlich positiver entwickelt als erwartet. Bis Oktober 2011 konnten die Umsätze im Wirtschaftsbau um gut 13 % gegenüber dem Vorjahr zulegen, so dass wir für 2011 insgesamt von einem Umsatzplus von 12,1 % ausgehen. Der Umsatz im Wirtschaftsbau wird in 2011 33,1 Mrd. Euro erreichen. Damit ist der Wirtschaftsbau einmal mehr die umsatzstärkste Bausparte.

Die Investitionsneigung des verarbeitenden Gewerbes wuchs mit der steigenden Kapazitätsauslastung deutlich an, was sich bei den Baugenehmigungen in Fabrikgebäude niederschlägt. Wachsender inländischer Konsum führt zu mehr Investitionen in Lager und Handelsflächen. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt stützt zudem die Flächennachfrage.

Die Frühindikatoren lassen für den Umsatz im Wirtschaftsbau in 2012 weiteres Wachstumspotential erkennen. Umfragewerte stützen eine positive Erwartungshaltung. Der nachhaltige Umbau der Energiebasis sollte zudem stabilisierend wirken.

Der Umsatz im Wirtschaftsbau insgesamt wird damit in 2012 auf ca. 33,9 Mrd. Euro anwachsen, nach 33,1 Mrd. Euro in 2011 (+ 2,3 %). Risiken liegen in einer weiterhin unzureichend beherrschten Euro- und Finanzkrise, in deren Folge Aufträge storniert und/oder unzureichend Kreditmittel bereit gestellt werden. Ein solches Szenario lässt sich nur schwer vorhersehen und ist in unsere Prognose nicht eingerechnet.

Öffentlicher Bau:

Die Entwicklung der öffentlichen Haushalte ist die wichtigste Bestimmungsgröße für die Investitionen der öffentlichen Auftraggeber. Die Haushaltslage hat sich für die öffentlichen Auftraggeber in 2011 gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich verbessert.

So sind die Einnahmen der Gebietskörperschaften bis zum dritten Quartal 2011 um 12 % gestiegen (Bund +18 %, Länder +10 %, Gemeinden +7 %). Die Ausgaben haben sich demgegenüber nur um 4 % erhöht (Bund +4 %, Länder +5 %, Gemeinden +3 %).

Gleichwohl bleibt die hohe Staatsverschuldung auch in Deutschland, die mit 80 % des BIP um 20 %-Punkte über den Maastricht-Kriterien liegt, auch in diesem Jahr das entscheidende Problem für öffentliche Investitionen. Zudem werden die Handlungsspielräume angesichts der beschlossenen Schuldenbremse weiter begrenzt.

Der Umsatz im öffentlichen Hochbau wird in 2011 noch 6,2 Mrd. Euro erreichen nach 6,5 Mrd. Euro im Vorjahr (- 5 %). Im öffentlichen Tiefbau wird das Umsatzwachstum in 2011 bei gut 6 % erwartet. Nach 19,5 Mrd. Euro in 2010 werden es in 2011 ca. 20,8 Mrd. Euro sein. Der Umsatz im öffentlichen Bau insgesamt würde damit in 2011 um ca. 1 Mrd. Euro auf 27 Mrd. Euro anwachsen (+3,6 %).

Für 2012 zeigen die Frühindikatoren jedoch eine negative Perspektive: Die Mittel aus den Konjunkturprogrammen sind abgearbeitet, Finanzierungsspielräume der öffentlichen Auftraggeber für Investitionen bleiben eng. Einzig im Bereich der Infrastruktur des Bundes zeichnet sich gegenüber dem Vorjahr Besserung ab. Hier erfolgte eine Erhöhung des Planansatzes um ca. 500 Mio. Euro, die im zweiten Halbjahr 2012 zur Wirkung kommen wird.

Allerdings werden diese zusätzlichen Mittel den aus den Frühindikatoren abzuleitenden Rückgang des Umsatzes nur bremsen und nicht egalisieren: der Umsatz im öffentlichen Bau wird zurückgehen: Für den öffentlichen Hochbau erwarten wir in 2012 knapp 6 Mrd. Euro (-4,7 %) und für den öffentlichen Tiefbau knapp 20,3 Mrd. Euro (-2,5 %). Der Umsatz im öffentlichen Bau würde damit in 2012 auf 26,2 Mrd. Euro fallen (-3,1 %).

Baugewerbe insgesamt:

Wie bereits zu Beginn meines kurzen Beitrags gesagt, blicken wir insgesamt optimistisch auf das vor uns liegende Jahr, für das wir ein Umsatzwachstum von 1,6 Prozent bei stabiler Beschäftigung erwarten. Die Risiken für eine weitere gedeihliche Entwicklung unserer Branche liegen in der Entwicklung der Gesamtwirtschaft und der Finanzwirtschaft. Hier sind die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert, endlich die Weichen für eine nachhaltige Konsolidierung zu stellen. Entscheidend dabei ist, dass diese nicht zu Lasten der Investitionen geht, denn nur Investitionen sichern nachhaltig Wachstum und Beschäftigung in einer Volkswirtschaft.“