Bauwirtschaft Baden-Württemberg: 2012 war starkes Jahr für die Bauwirtschaft - Energetische Gebäudesanierung muss steuerlich gefördert werden

Volle Auftragsbücher, gute Beschäftigungslage, positive Stimmung: Die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg blickt zufrieden auf das zurückliegende Jahr. Mit Ausnahme des Öffentlichen Baus konnten alle Sparten zulegen.

Insgesamt setzte die Baubranche im Land bis Ende November 2012 rund 10,5 Mrd. Euro um, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus um 2,1 %. Den höchsten Umsatzzuwachs erzielte der Wirtschaftsbau mit +9,4 %. Allerdings zeichnen sich im produzierenden Gewerbe erste Bremsspuren beim Wachstum ab, was sich zeitversetzt auch auf diese Bausparte auswirken könnte.

Relativ stabil zeigte sich im vergangenen Jahr der Wohnungsbau. Niedrige Bauzinsen und die Unsicherheit auf den Finanzmärkten sorgten hier für ein Umsatzplus von 2,2 %. „Dennoch ist die Wohnraumsituation in Baden-Württemberg, vor allem in den Ballungsräumen, nach wie vor angespannt. Allein in Stuttgart fehlen rund 8.000 Wohnungen“, kritisiert Thomas Schleicher, Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft, anerkennt aber zugleich, dass die Landesregierung wieder mehr Geld in die Wohnraumförderung steckt.

Beklagenswert ist für Schleicher die Entwicklung im Öffentlichen Bau. Zwischen Januar und November 2012 rutschen die Umsätze um 6,4 % ins Minus. Den stärksten Einbruch gab es mit -22,3 % im Öffentlichen Hochbau. Obgleich die Steuereinnahmen der Gebietskörperschaften im letzten Jahr auf Rekordniveau gestiegen sind, haben die Kommunen nur zögerlich investiert. Immerhin hat der Bund vor Weihnachten ein Infrastrukturbeschleunigungsprogramm über 750 Mio. Euro für 2013 und 2014 auf den Weg gebracht. Dieses sieht für Baden-Württemberg jedoch lediglich die Forcierung laufender Neubauvorhaben und dringend notwendiger Neubauprojekte vor. Mittel für weitere Erhaltungs- bzw. Ausbaumaßnahmen sind nicht vorgesehen. Der seit Jahren diskutierte 6-spurige Ausbau des Nadelöhrs am Albaufstieg lässt damit weiter auf sich warten.

Positiv bewertet die baden-württembergische Bauwirtschaft die momentane Auftragssituation. Bis November 2012 lagen die Auftragseingänge um 18,1 % über dem Vorjahresniveau, was auf eine gute Auslastung der Betriebe in den kommenden Monaten hoffen lässt. Mit 26 % mehr Aufträgen war auch hier der Wirtschaftsbau Spitzenreiter. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 1,4 % und damit im Jahresschnitt auf 87.783. Die weitere baukonjunkturelle Entwicklung für 2013 schätzt Verbandspräsident Thomas Schleicher optimistisch ein. Er erwartet bis Jahresende ein Umsatzplus von 2 %.

Im Ausbaugewerbe, das die Gewerke Estrichleger, Fliesenleger, Holzbau, Stuckateur sowie Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierer umfasst, sorgt insbesondere die hohe Nachfrage im Bereich Modernisierung/Sanierung für eine gute Auslastung. Grund hierfür ist der große Altbaubestand, der den heutigen Anforderungen an Wohnqualität und Energieeinsparung häufig nicht entspricht. Bundesweit sind etwa 25 Millionen Wohnungen sanierungsbedürftig. Vor diesem Hintergrund fordert die Landesvereinigung Bauwirtschaft dringend eine steuerliche Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden. Nur so können die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung erreicht werden.

Sorge bereitet den Ausbaufirmen die Tätigkeit zahlreicher Scheinselbstständiger auf heimischen Baustellen. „Oft handelt es sich bei der Billigkonkurrenz um Arbeitskräfte aus den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten, die als selbstständige Ein-Mann-Betriebe auftreten“, erläutert Michael Bleich, Vizepräsident der Landesvereinigung. Diese Betriebe werden als günstige Arbeitskräfte auf den Baustellen im Rahmen einer ARGE eingesetzt. Damit entfallen die Bezahlung auf Mindestlohnniveau sowie Sozialabgaben. „Wir appellieren an die zuständigen Hauptzollämter, mit aller Konsequenz gegen Scheinselbstständigkeit und Mindestlohnverstöße vorzugehen“, fordert Bleich. Aus Sicht der Landesvereinigung Bauwirtschaft muss hier effizienter durchgegriffen werden, um die Existenz der regional ansässigen Ausbauunternehmen sowie der hier angesiedelten Arbeitsplätze zu sichern