Baumarkt 2015

Das Bauhauptgewerbe blickt auf eine intensive Bautätigkeit im Baujahr 2015 zurück. Wenngleich die Steigerungsraten im Umsatzwachstum der Bausparten verhaltener ausfielen als in 2014, ist doch die Marke von 100 Mrd. € Umsatz in 2015 mit einer Umsatzsteigerung von knapp 2 % überschritten worden. Ein solches Niveau gab es zuletzt vor der Jahrtausendwende. Das Bauhauptgewerbe hat nach einem langen Anpassungsprozess der Kapazitäten in den letzten fünf Jahren wieder an Fahrt aufgenommen.

Das hat nicht zuletzt mit dem Wohnungsbau zu tun. Man mag es angesichts der heute auch von der Politik anerkannten Wohnungsbedarfe kaum noch glauben: Die Fertigstellungszahlen im Wohnungsneubau waren von 286.000 WE im Jahr 2001 bis auf 136.000 WE im Jahr 2009 zurückgegangen. Mehr als eine Halbierung der Produktion, Versäumnisse, die wir heute noch zusätzlich aufholen müssen.
Für 2015 rechnen wir mit der Fertigstellung von 265.000 Wohneinheiten. Dies entspricht einer Steigerung der Produktion um fast 70 % seit 2010. Diese Steigerung reicht jedoch bei weitem nicht aus, um der Wohnungsknappheit in Ballungsräumen Abhilfe zu verschaffen. Die anhaltende Binnenwanderung in Städte und Ballungszentren sowie die steigende Zahl an Flüchtlingen macht die Fertigstellung von jährlich 400.000 Wohneinheiten erforderlich. Selbst die hohe Dynamik bei der Entwicklung der Baugenehmigungen reicht da noch nicht heran.

Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen, in dem sich der ZDB aktiv einbringt, hat in 2015 Vorschläge erarbeitet, wie eine Beschleunigung des Angebotes zu bewerkstelligen ist. Im 10-Punkte-Programm sind wichtige Aspekte der Wohnungsbau-Offensive angesprochen. Dazu gehören eine ausreichende Baulandbereitstellung ebenso wie eine Prüfung von baulichen und Verwaltungs-Standards sowie zielgenaue steuerliche Anreize für mehr bezahlbaren Wohnraum. Diese Vorschläge gilt es nun zügig umzusetzen. Das wird offensichtlich kein Selbstläufer, wie die anscheinend auf den letzten Metern in der politischen Diskussion ausgebremste steuerliche Förderung des Mietwohnungsbaus nun zeigt. Wir werden das im Blick behalten. Es nützt am Ende wenig, in einem intensiven Meinungsbildungsprozess zwischen Verbänden, Wissenschaft und Politik Lösungsvorschläge zu erarbeiten, deren Umsetzung aber zugunsten konsumtiver Ausgaben fallen zu lassen!

Während im Wohnungsbau tätige Unternehmen in 2015 ganzjährig eine gute Auftragslage verzeichneten, fehlten der Nachfrage im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau nachhaltige Impulse.

Die Expertenkommission „Stärkung von Investitionen in Deutschland“ („Fratzscher Kommission“) - auch hier ist der ZDB beteiligt - hat erkannt, dass der größte Teil der deutschen Investitionsschwäche bei der Privatwirtschaft liegt. Ursachen dafür wird ein sich abzeichnender Fachkräftemangel sein, der immer mehr zur Investitionsbremse wird. Aus Unternehmersicht fehlt es zudem an einem verlässlichen regulatorischen Umfeld. Beispiele hierfür sind die erwartete Verschärfung der Eigenkapitalunterlegungspflicht der Banken, Stichwort („Basel III“), und geplante Mehrbelastungen bei der Erbschaftssteuer.

Bei der Gewinnung von Fachkräften sieht sich die Baubranche - als eine personalintensive Branche - in besonderer Weise herausgefordert. Hier arbeiten wir nicht nur an Konzepten zur Deckung des Fachkräftebedarfes. Hier setzen wir auch auf innovative Technologien, wie Building Information Modeling (BIM). Mit BIM kann die stark arbeitsteilige Wertschöpfungskette Bau deutliche Produktivitäts- und Effizienzgewinne realisieren. Entsprechend hat sich der ZDB in der Reformkommission Großprojekte für die Gründung einer Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens und Bauens eingesetzt. Seit 2015 gibt es nun eine gemeinsame Plattform der Wertschöpfungskette Bau, um Verbesserungspotentiale bei Kosten, Terminen, Qualität und Planungssicherheit an den Schnittstellen der Bauwirtschaft nutzbar zu machen. Für das Gelingen dieses Projektes ist es wichtig, dass die öffentliche Hand als Auftraggeber in Fragen der Digitalisierung in der Bauwirtschaft gleichgerichtet und abgestimmt agiert und sich hierzu mit der Plattform abstimmt.

Die diesjährige Ausgabe des „Baumarkt 2015“ blickt - anders als ihre Vorgänger - nicht nur auf das abgelaufene Jahr zurück. Die Weiterung des Titels „Perspektiven 2016“ macht es deutlich: Es wird den Lesern auch einen aktuellen Ausblick auf 2016 gegeben.

Die deutsche Bauwirtschaft wird in 2016 ihren Wachstumskurs fortsetzen und ihren Beitrag zum Gelingen der Herausforderungen beim Wohnungsbau und der Entwicklung der Infrastruktur leisten.